Task Transformation Map
Worum es geht
„Wird automatisiert" ist keine Aussage, mit der ein Betriebsrat oder eine Teamleitung arbeiten kann. Die Task Transformation Map zerlegt eine geplante Veränderung in einzelne, benennbare Aufgaben – eine Zeile je Aufgabe, mit heutigem Stand, Veränderung und künftiger Form. Erst auf dieser Ebene lässt sich verhandeln, planen und widersprechen.
Der Unterschied zur üblichen Projektkommunikation ist die Auflösung. Ein Vorhaben betrifft nicht „die Montage", sondern siebzehn konkrete Tätigkeiten, von denen vier entfallen, sieben sich verändern und drei neu entstehen. Diese Zahlen sind der Ausgangspunkt für alles Weitere: für das künftige Profil, für den Qualifizierungsfahrplan, für die Frage der Eingruppierung.
Ein Beispiel
Dieselbe Roboterzelle wie in Modul A, jetzt Zeile für Zeile:
- Bestücken und Entnehmen im Takt – entfällt. Der Roboter übernimmt die Zuführung vollständig; Handbetrieb bleibt nur für den Ausnahmefall.
- Sichtprüfung der Teile – entfällt. Das Kamerasystem prüft alle Merkmale zu 100 Prozent statt stichprobenartig.
- Rüsten und Anfahren – verändert. Aus mechanischem Umbau wird Programm- und Parameterauswahl, dafür mit Freigabeverantwortung für das Prüfprogramm.
- Störungen beheben – verändert. Weniger mechanische Eingriffe, mehr Diagnose an der Schnittstelle zwischen Teil, Werkzeug und Prüfsystem.
- Systemzustände überwachen – neu. Mehrere Takte parallel im Blick, überwiegend ereignisarm, mit seltenen kritischen Eingriffen.
- Prüfergebnisse plausibilisieren – neu. Erkennen, wenn nicht das Teil, sondern die Prüfung das Problem ist.
- Wiederanlauf nach Sicherheitshalt – neu. Regelgebundene Prozedur mit Dokumentationspflicht.
Aus derselben Aufstellung ergibt sich die Verschiebung im Ganzen: Der Anteil des Ausführens sinkt von etwa 65 auf 15 Prozent, Überwachen und Beurteilen steigen von 15 auf rund 70. Diese Zahl ist es, die Gespräche verändert – sie zeigt, dass die Stelle nicht einfacher wird, sondern anders.
Wie die Zeilen entstehen
- Ist-Aufnahme: Die heutigen Aufgaben kommen aus dem PEILUNG-Kompetenzprofil und werden in Interviews überprüft – oft zeigt sich dabei Arbeit, die in keiner Beschreibung steht.
- Technikbeschreibung: Die Projektleitung oder der Anlagenlieferant beschreibt, was das System künftig übernimmt und wo Eingriffe vorgesehen sind.
- Gegenüberstellung: Jede Aufgabe wird einzeln zugeordnet – entfällt, verändert sich, bleibt, entsteht neu.
- Fachliche Prüfung: Vor der Freigabe geht die Matrix durch eine arbeitswissenschaftliche Kontrolle. Ohne diesen Schritt entstehen plausible, aber falsche Zeilen.
Was dabei herauskommt
TätigkeitsveränderungsmatrixEine Tabelle mit einer Zeile je Aufgabe, jeweils mit Status, Beschreibung der Veränderung und künftiger Form – ergänzt um die Verschiebung der Aufgabenanteile insgesamt. Das Dokument ist so gebaut, dass es einer Mitbestimmungsrunde vorgelegt werden kann, ohne übersetzt werden zu müssen.
Woran es in der Praxis scheitert
Der häufigste Fehler ist ein zu grober Schnitt. Wer „Qualitätsprüfung" als eine Aufgabe führt, verliert genau die Unterscheidung, auf die es ankommt: Die Messung übernimmt das System, die Beurteilung von Grenzfällen bleibt beim Menschen – und das ist eine neue, anspruchsvollere Aufgabe, keine weggefallene.
Der zweite Fehler ist, nur die Technik zu befragen. Was ein Anlagenlieferant als „übernimmt das System" beschreibt, deckt sich selten vollständig mit dem, was heute tatsächlich getan wird. Die Differenz zwischen beidem ist der eigentliche Erkenntnisgewinn.
Für wen sich das lohnt
Für Vorhaben, bei denen der Scan eine hohe Veränderungsintensität ergeben hat – und immer dann, wenn der Betriebsrat beteiligt werden muss. Nach § 90 BetrVG ist über die Auswirkungen auf „die Art der Arbeit sowie die sich daraus ergebenden Anforderungen" zu beraten. Eine Tätigkeitsmatrix ist die Form, in der diese Beratung tatsächlich geführt werden kann. Mehr dazu unter Rechte des Betriebsrats.
Weitere Module
Erzählt uns von eurem Vorhaben.
Ein halbstündiges Gespräch genügt, um zu klären, ob die Task Transformation Map der richtige nächste Schritt für eure Veränderung ist.