Modul D

Qualification Navigator

Hochregallager mit Paletten und Kartons

Worum es geht

Zu wissen, dass Qualifizierung nötig wird, hilft wenig, solange offen ist, wer wann welche braucht. Der Qualification Navigator übersetzt das künftige Profil in einen Fahrplan mit Terminen – nicht abstrakt in Wochen, sondern bezogen auf den Umstellungstermin: Was muss sechs Monate vorher beginnen, was zwei Monate vorher, was gehört danach regelmäßig aufgefrischt?

Der Bedarf entsteht dabei nicht aus einem Schulungskatalog, sondern aus der Differenz zwischen heutigem Können und künftigen Anforderungen. Nur was tatsächlich neu ist, kommt in den Plan.

Ein Beispiel

Für die vierzehn Beschäftigten an der künftigen Roboterzelle sah der Fahrplan so aus – T ist der Termin der Inbetriebnahme:

  • T − 6: Grundlagen Automatisierung, alle vierzehn. Verstehen, wie die Zelle arbeitet und wo der Mensch bleibt.
  • T − 5: Sicherheit im Kollaborationsbetrieb, verpflichtend für alle – vor dem ersten Kontakt mit der Anlage.
  • T − 4: Kamerasystem und Prüflogik, für die acht künftigen Anlagenführer.
  • T − 3: Training am Simulator des Herstellers: Störfälle durchspielen, die im Echtbetrieb selten sind.
  • T − 2: Erfahrungssicherung Handbetrieb, alle vierzehn.
  • T − 1: Begleiteter Probebetrieb an der realen Serie.
  • T + 3: Auffrischung Handbetrieb – danach halbjährlich.
  • T + 6: Nachkontrolle und Nachsteuerung.

Der kritische Termin ist der früheste

In diesem Plan ist T − 2 der Punkt, an dem es eng wird. Die Erfahrungssicherung dokumentiert, wie der Handbetrieb funktioniert – Störungsbilder, Kniffe, Entscheidungsregeln, die nirgends aufgeschrieben sind. Danach ist die Anlage umgebaut, und mit ihr verschwindet die Gelegenheit. Wer diesen Termin verpasst, verliert Wissen, das später im Störfall gebraucht wird und dann teuer neu aufgebaut werden muss.

Der zweite kritische Punkt liegt hinter der Inbetriebnahme: Fertigkeiten, die im Alltag nicht mehr vorkommen, verfallen. Deshalb steht die Auffrischung nicht als Kann-Position im Plan, sondern mit Termin.

Was im Fahrplan steht

  • Maßnahmen mit Zeitpunkt relativ zur Inbetriebnahme, nicht als vage Reihenfolge
  • Zielgruppe je Maßnahme – wer genau, und wie viele
  • Das erwartete Ergebnis: woran man erkennt, dass die Qualifizierung gewirkt hat
  • Abhängigkeiten: welche Maßnahme Voraussetzung für die nächste ist
  • Hinweise zur Schichtorganisation – Nacht- und Wechselschicht brauchen eigene Termine, sonst fallen sie hinten runter

Was dabei herauskommt

Qualifizierungsfahrplan

Ein Plan, der sich in die Projektplanung einhängen lässt: mit Terminen, Zielgruppen, Abhängigkeiten und der Angabe, was passiert, wenn ein Termin reißt. Er unterscheidet zwischen dem, was vor der Umstellung passieren muss, und dem, was danach dauerhaft gebraucht wird.

Woran es in der Praxis scheitert

Am häufigsten am Budget-Zeitpunkt: Qualifizierung wird oft aus dem laufenden Personalbudget bezahlt, die Anlage aus dem Investitionsbudget – mit der Folge, dass die Schulung erst im Jahr nach der Investition beginnt. Wenn der Fahrplan Teil des Projekts ist statt eine Folgemaßnahme, löst sich das Problem meist von selbst.

Der zweite Klassiker ist die Schichtungleichheit: Die Frühschicht bekommt die Termine, die Nachtschicht bekommt eine Unterweisung. Sechs Monate später zeigt sich, in welcher Schicht die Störungen länger dauern.

Für wen sich das lohnt

Für jedes Vorhaben mit festem Umstellungstermin – und für Betriebe, in denen der Betriebsrat nach § 96 BetrVG die Ermittlung des Berufsbildungsbedarfs verlangt hat. Mehr dazu unter Wie ermittelt man den Qualifizierungsbedarf?

Weitere Module

Erstgespräch

Erzählt uns von eurem Vorhaben.

Ein halbstündiges Gespräch genügt, um zu klären, ob der Qualification Navigator der richtige nächste Schritt für eure Veränderung ist.